Öresund


Malmö – Kopenhagens kleine Schwester
Schwedens drittgrößte Stadt und Boomtown von Schonen

Wohl selten findet man in Skandinavien eine derart faszinierende Mischung aus internationalem urbanen Leben, Jahrhunderte alter Geschichte, gepflegter Kulturlandschaft und weitläufigen Erholungsgebieten wie dort, wo sich Dänemark und Schweden am nächsten kommen. Mit dem Brückenschlag über den Øresund ist Kopenhagens schwedische Schwester Malmö nur noch eine gute halbe Stunde vom Hauptbahnhof der dänischen Hauptstadt entfernt.

Alle 10 Minuten pendelt ein Shuttle zwischen Kopenhagen und Malmö und bringt Pendler, Studenten, Familien und Touristen bis zum Kopenhagener Flughafen Kastrup. Nach einem kurzen Halt beginnt nun zwischen Himmel und Meer seine Passage von acht Kilometern über den Sund. Bei Sonne tanzen unzählige Boote auf den silbrig funkelnden Fluten und bei Nebel schwebt die Bahn wie auf Wolken, bis sie Schweden erreicht. Sie durchfährt Malmös Vorstädte und hält nach 35 Minuten in der Centralstation, die ganz zentral zwischen Altstadt und Westhafen liegt. Wo einst U-Boote und Ozeanriesen vom Stapel liefen, entsteht derzeit Malmös jüngstes Stadtviertel Västra Hamnen.

Längst weltberühmt ist sein Wahrzeichen, der Turning Torso, ein futuristischer Wohnturm des spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava mit allem Luxus und grandiosem Blick. 190 Meter ragt der Wohnriese in die Luft, doch nicht gerade, sondern um die eigene Achse gedreht. Von Fern wirkt das höchste Gebäude Skandinaviens wie ein Mensch, der gerade zum Golfschlag ausholt. Vom 54. Stockwerk aus, ist der Blick gigantisch, kilometerweit reicht die Aussicht über den Sund, von den Stränden bei Ribersborg über die plötzlich filigran und klein wirkende Øresund-Brücke bis hin zu den Dächern von Kopenhagen, die in der Abendsonne funkeln.

Zu Füßen des Turning Torso erstrecken sich Häuser, die von international berühmte Architekten wie Ralph Erskine, Gert Windgårdh und Mario Campi entworfen wurden und gleichzeitig Flora und Fauna, Strand und Meer sowie Kunst und Kultur mit in ihre Planung einbanden, so daß bis heute auch Wassergräben und Kanäle die Gamla Staden die Altstadt Malmös umgeben.

Bis zum Frieden von Roskilde (1658) gehörte Malmö zur dänischen Provinz Schonen. Erobert wurde sie von König Karl X. Gustav von Schweden, der stolz von seiner Reiterstatue auf dem Stortorget, dem größten Platz von Malmö herab blickt, wo auch das stattlichen Rathaus und ein prachtvoller Backsteinbau aus dem 16. Jahrhundert mit reich verzierten Treppengiebeln steht. In der Blütezeit des Heringshandels entstand die St. Petri Kirche, die ein wenig an die Lübecker Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert erinnert.

Der schönste Platz der Stadt
ist Lilla Torget mit seinen für Schweden so ungewöhnlich, farbigen Fachwerkhäusern, die ein dänisches Erbe sind und den „Kleinen Platz“ geradezu gemütlich machen. Hier wird im Sommer in den vielen netten Straßenlokalen geschlemmt, gelacht, geflirtet und im Winter zu Pop und Rock Pirouetten auf dem Eis gedreht.

Ein Torweg führt zum Speicher des Hedmanska Gården, hier präsentiert und verkauft das Forum Design Center FDC skandinavisches Design von 50 Firmen wie Klassiker von Georg Jensen, Marimekko etc. sowie junger schwedischer Designer. Große Warenhäuser, Shoppingzentren und Filialen schwedischer und internationaler Ketten drängen sich auf Malmös zentraler Shoppingachse, die sich kilometerlang vom Stortorget über die Södergatan, den Busknotenpunkt Gustav Adolfs Torg und die Södra Förstadgatan bis zum Triangeln erstreckt.

Tand und Trödel gibt es auf dem Drottningtorget, wo jeden Sonntag von Mai bis September ein Flohmarkt open-air abgehalten wird.

Das größte und älteste nordische Renaissanceschloß
wenn die Malmöer der Hektik entfliehen möchten, fahren sie gern ins Grüne, in das weitläufige Gelände von Kungs- und Slottsparken, das westlich der Altstadt liegt. Mitten im Park, umgeben von uralten Kastanien und einem breiten Wassergraben, erhebt sich das größte und älteste nordische Renaissanceschloß Malmöhus Slott von 1436, das heute als Museumszentrum dient. Südlich des Schloßgrabens erstreckt sich der Slottsträdgården, ein Öko-Idyll mit schnatternden Gänsen und Gärtnerei mit Gemüseverkauf sowie Malmös kleinstes und romantischstes Café.

Am Ende des Parkkanals, am Teknikens och Sjöfartens Hus liegt gleich gegenüber das Revier der Fischer, die hier ihren Fang verkaufen und ihre langen Netze zum Trocknen aufspannen. Aus ihren schmalen, hohen Öfen duftet es verführerisch nach geräuchertem Lachs, Hering und Makrele.

Malmös „Copacabana“ der Schloßpark geht in Richtung Meer in den Øresund-Park über, der an Malmös „Copacabana“ endet. Zwei Kilometer feinster Sandstrand säumen die seicht abfallende Badebucht mit seiner ausgezeichnete Wasserqualität im Stadtteil Ribersborg. Im leuchtend weißen Kaltbadehaus, das 1898 im Jugendstil entstand, können Abgehärtete ganzjährig im Salzwasser baden, in der holzbefeuerten Sauna schwitzen oder im gemütlichen Café die Aussicht auf den Sund genießen.

Schon vor 100 Jahren erlebte Malmö mit dem Ausbau des Hafens und dem Bahnanschluß einen ähnlichen Boom wie heute. Sie waren der Grund für die am schnellsten wachsende Stadt Schwedens und es entstanden die Arbeiterviertel wie Kirseberg, Lugnet, Sofielund und Möllevangen. Heute leben hier Immigranten aus Afghanistan, Pakistan, Indien, Iran und Irak und haben die kahlen Straßenzüge mit Backsteinhäusern in Blockbauweise in ein buntes, exotische Viertel verwandelt. Es locken Falafel-Buden, Thai-Restaurants und Asien-Shops, die mit cool gestylten Bars und Boutiquen konkurrieren.

In der einstigen Schokoladenfabrik Mazetti wird nachts „abgehottet“. Neben dem Kulturbolaget, ist sie heute Malmös größte Bühne für Rock und Pop sowie der angesagtesten Nachtclub der Stadt.
Feinschmecker zieht es zu Möllans Ost am Möllevångstorget, wo zwischen Parmaschinken und Ziegenkäse ein ganz besonderer Käse, der Malmö Akvavit Ost ruht und im Kümmelschnaps gereift ist.

In Möllevangen entstand 1893 auch Schwedens erster Vergnügungspark „Folketspark“, deren Vorbild Kopenhagens Tivoli mit seinen Karussells, Theatern und Tanzlokalen war und seit Ende der 1930er Jahre lädt der größte Tanzpalast Skandinaviens „Amiralen“ zum Tanzen ein.

Kopenhagen – Malmö
Der gegenseitige Wettstreit der Sundstädte hat Geschichte und doch fühlt sich Malmö der dänischen Hauptstadt mehr verbunden als dem fernen Stockholm. Seit der Einweihung der Øresundbrücke sind die Beziehungen noch enger geworden und viele Kopenhagener bezeichnen Malmö gern als 16. Stadtteil „København M“.

In Malmö leben und in Kopenhagen arbeiten, das ist für viele Dänen und Schweden heute Alltag und daher investiert Malmö jetzt in ein weiteres Großprojekt: den Citytunnel, eine elf km lange Direktverbindung von der Öresundbrücke zum Zentralbahnhof, die ab 2011 für eine schnellere Nord-Süd-Verbindungen sorgen soll.

Eine wunderschöne Fahrt in Seelands Norden - über den Sund nach Helsinborg
Wenn die glaspalastartigen Scandlines-Fähren am Hamletschloß Kronborg vorbei Richtung Schweden ablegen, muß man einfach an Deck. Vor uns gleiten langsam Villen im Grünen, ein langgezogener Strand, kleine und große Schiffe, ein quirliger Hafen mitten in der Stadt sowie Industriekomplexe vorbei, die eine fertige Stadt zeigen.Auf den ersten Blick wirkt Helsingborg kühler und funktionalistischer als die dänische Schwester, doch dem ist nicht so: Wie eine Burg präsentieren sich das überdimensionierte neogotische Rathaus mit seinen berühmten Glasmalereien der über 900 Jahre alte Ort, den man am besten zu Fuß erobert.

Von hier führt der Weg auf altem Pflaster über den Marktplatz Stortorg und breite Stufen führen hinauf zum mittelalterlichen Festungsturm Kärnan, der das Wahrzeichen der Stadt ist und früher Teil des Schlosses war. Von seiner Plattform hat man einen faszinierenden Blick auf Øresund, Helsingør und die umliegenden Stadtteile.

In der winkligen Innenstadt mit Schwedens erster Fußgängerzone mischen sich zwischen den Geschäften auch Jazz- und ”Fresskneipen”, aber die Prachtpromenade Nr. 1 ist der Landborg-Weg, der sich auf dem steilen Geestrücken parallel zum Sund erstreckt.

Entspannend ist es, durch sanftes Grün mit Dauerblick auf Dänemarks Küste zu spazieren, bis man das königliche Sommerschloss Sofiero mit seinen herrlichen Rhododendron-Parkanlagen erreicht.
Im Süden Helsingborgs lockt bei der Ramlösa-Quelle ein englisch anmutender Park, in dem man schon vor 300 Jahren den eisenhaltigen Born trank. Das alte Warmbadehaus und das Kurhotel sind einer der größten Holzbauten Schwedens und wahre architektonische Kleinodien. www.helsingborgsguiden.com, www.visithelsingor.dk

Auch drei Jahre nach Eröffnung der Brücke über den Øresund ist die „Wasserbrücke“ zwischen dem dänischen Helsingør und dem schwedischen Helsingborg noch eine echte Reisealternative. Alle 20 Minuten legt eine Scandlines-Fähre ab, wobei die Überfahrt 20 Minuten dauert. www. scandlines.dk (und www.scandlines.de).

Für autolose Entdeckungsreisen in die dänisch-schwedische Øresundregion lohn sich das "Around the Sound" Ticket. Es gilt zwei Tage lang in nahezu allen Zügen der Region und erlaubt Reisenden beliebig viele Stopps an allen Bahnhöfen im Großraum Kopenhagen sowie im südschwedischen Schonen.

Auch werden Rabatte bei vielen Attraktionen, Restaurants oder Hotels auf dänischer und schwedischer Seite gewährt. Erhältlich ist das Ticket u. a. am Kopenhagener Hauptbahnhof, am Flughafen Kopenhagen, im Hauptbahnhof Malmö sowie in Reisebüros. Nicht benutzt werden kann lediglich die Metro in Kopenhagen. www.skanetrafiken.skane.se
Info
Malmö Tourism
Tel.: 0046/40341200
www.malmo.se
e-mail: malmo.turism@malmo.se
Öresund-Info: www.visitoresund.info


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